Ruhr 2010 – Von Kultur und Königen Samstag, Jan 9 2010 

Das Ruhrgebiet darf sich nun Kulturhauptstadt Europas nennen, wie gleichermaßen das ungarische Pécs und das türkische Istanbul, die immerhin wirkliche Städte sind. Dreiköpfig,  reitet Europa nun nichtmehr auf einem Stier, der den Gottvater Zeus als legitimen Herrscher repräsentiert, sondern auf der kopflosen Bestie der ach so freien Marktwirtschaft.

In der ehemaligen Raucherlunge der Republik, geht es nach wie vor um die Kohle. Konnte man diese einst aus der Erde fördern, so benötigte man heute einen Köhler um das Spektakel zu eröffnen.

Köhler zieht den Hut

Der Bürgerkönig kam mit Filzhut statt Krone zur Eröffnungsfeier. Kein Gold, dass ewige Werte verkörpern und noch das Angesicht des einfachsten Volkes glänzend zu reflektieren vermag, sondern Filz als Resultat rastlosen Netzwerkens. Filz als Verstrickung in der Ideologie von Leistung, Aufstieg und “verdienter” Vorherrschaft.

Bürgerlicher Filz regiert, will vorweggehen, anführen und verführen zur Anerkennung seiner Codes. Dabei ist es wohl eher ein ständiges Vorwegnehmen des immer wieder beschworenen Strukturwandels, der Einkaufzentrum auf Einkaufszentrum schichtet, Metropolenträume träumt, den Menschen aber in seiner Selbstachtung unter Tage belässt.

Die Eröffnungsfeier erinnerte vielfach an sowjetischen Realismus und Militärparaden asiatischer Diktaturen: Gesichtslose Tänzer zeigten, wie sich die bürgerliche Elite körperliche Arbeit vorstellt, während das Publikum durch uniforme Kleidung ein farbiges Mosaik bildete. Immerhin fehlte das Paradieren der Streitkräfte, die derzeit glücklicherweise unter Kontrolle des Adels stehen.

Dieser sollte auch Kunst und Kultur endlich wieder ihrer angestammten Rolle zuführen. Nicht in Zechen und öffentlichen Museen hat sie ihren Platz, sondern in prunkvollen Schlössern soll sie die Erhabenheit des Adels wiederspiegeln. Das Bürgertum hingegen hat keine Kultur. Es ist ein Zwitter aus Volk und Adel, der sich von Beiden feindseelig abgrenzt. Der dröge Grönemeyer ist hier wohl ein beispielhaftes Exemplar dieser Gattung: Weder den kleinen Mann auf der Straße (Fisch) vermag er zu begeistern, noch den wahren Kunstkenner (Fleisch) der sich angewiedert abwendet.

Europa braucht Kaiser und Könige, damit Kunst und Kultur wieder Fuß fassen können. Bis dahin sollte die Kulturhauptstadt es Herrn Köhler gleichtun, ihren Hut ziehen, “Finger im Po – Mexiko” rufen und Zuflucht finden in den Schlagerkneipen der einfachen Leute.

Brautschau Freitag, Sep 18 2009 

Es wird Herbst. Blätter trocknen aus, fallen ab und bilden am Boden eine fröhliche Matschpampe, aus der sich nachfolgende Generationen bedienen können. Es wird kälter, ungemütlicher und die festliche Tracht samt üppigen Dekoltees bleibt nunmehr geschlossenen Räumen vorbehalten. Es wird Regen geben, Gewitter und Sturm, letztlich die Gewissheit, dass es ersteinmal bergab geht.

Eine eklige Zeit, eine gute Zeit. Eine Zeit jedenfalls, die mehr noch als der Frühling die romantische Ader des Ekelbarons freilegt – Eine Zeit, die geradezu zusätzlichen Ekel hineininjeziert.

Zu Zeiten wie diesen begeben sich nicht nur eklige Barone bevorzugt auf Brautschau. Auch der profane Kleinbürger bettelt flehend… Oh pardon… strebt ehrgeizig nach der trauten Zweisamkeit. Auf das Jahr, und nicht auf das Leben hin angelegt, kommt es einer Art Altersvorsorge gleich. Nähe, Sicherheit und jemand für die Küche sind im Sommer noch entbehrlich, im Herbst und im Winter hingegen benötigt der Bürger soetwas, um sich in den vermehrten dunklen Stunden nicht mit seinem kümmerlichen Selbst befassen zu müssen.

Dem Ekelbaron sind derartige Bedürfnisse fremd, doch auch wir kommen nicht umher, Ansprüche anzumelden auf standesgemäße Weibsbilder mit all den charakteristisch glitschigen Öffnungen, die nicht bürgerlichem Selbstverwirklichungswahn anheimfallen dürfen.

Bevor wir hiermit allerdings in medias Res gehen, gedenken wir zunächst die Spreu vom seltenen Weizen zu trennen. Sollten Sie, verehrte Leserin zu jener Elite gehören, hinterlassen Sie doch einen freundlichen Kommentar.

Die Harfe des Grafen Abart Donnerstag, Aug 27 2009 

In einem benachbarten Schloss haust ein abartiger Graf, der die unheimlich-eklige Stille der Nacht immer wieder mit den Saiten seiner Harfe zerschneidet.

Wir als Freiherr von und zu Einhalt versuchen seit Monaten, diesem Treiben selbiges zu gebieten, aber ohne Erfolg… Pling Plink Pling klingt es jede Nacht und selbst wüsteste Kakophonien auf unserer Orgel vermochten diesen abartigen Klang nicht zu übertönen. Das ist doch wohl die Höhe! Sogar noch Sonntags morgens, wenn das brave Volk in die Kirchen strömt, kann es die vertrauten Glocken vor lauter Geklimper nicht wahrnehmen. Wir wollen die Tradition verteidigen!

Verehrter Herr Graf,

bitte lassen Sie uns unseren Schlaf. Ansonsten sehen wir uns gezwungen den Knecht Unrecht zu bitten, Ihnen einen Besuch abzustatten.

Hochachtungsvoll,

der Ekelbaron

Der Bakeleron hat ein Bingo Montag, Aug 24 2009 

Zu nachtschlafener Zeit bekamen wir soeben einen Anruf des Bakelerons. Er hatte den Film “Inglorious Basterds” angeschaut, und dabei einige Beobachtungen gemacht, die er veröffentlicht wissen wollte, bevor irgendein halbgebildeter Feuilltonist sich daran versuchen kann.
Die nun folgenden Thesen stammen vom Bakeleron und geben nicht den Standpunkt des Ekelbarons wieder. Weiterhin ist ihre wissenschaftliche und komerzielle Weiterverarbeitung nur mit Angabe der Quelle, sowie im letzteren Fall nach Zahlung von 100.000 US-Dollar (Betrag verhandelbar) gestattet.

1. Tarantinos Auseinandersetzung mit der Trias Film-Geschichte-Tod weist deutliche Parallelen zu der Videoperformance “A lecture on schizophonia” von Erik Bünger auf. Hinter alledem scheint Captain Howdy zu stecken.

2. “Inglorious Basterds” veralbert nicht nur den Cruiseschen von Stauffenberg, sondern den gesamten Kult um seine Person (Höhö).

3. Ein Zusammenschnitt der Szenen, die irres Gelächter zeigen hat exakt die selbe Länge wie ein entsprechender Zusammenschnitt der Gewaltszenen.

Gegendarstellung Mittwoch, Aug 19 2009 

Auf einer Seite der Vienna School of Poetry ist seit 2002 ein Kommentar mit folgenden Aussagen zu lesen:

ein Noeck bzw. Nöck ist ein Nixerich bzw. Wassermann. In dem gleichnamigen Gedicht geht es darum, dass der Nöck die rosa Elfe sekkiert und der Schwan sie in Schutz nimmt, in dem er den Nöck mit entsprechendem Anschimpfen vertreibt. Der Fischgrobian, der Ekelbaron (fischlicha) sowie der Molchmann sind ebenfalls jeweils der Nöck, der dann fern ist und die Elfe kann wieder kommod in der Sonne herumkugeln und winken.

Hierzu gibt der Ekelbaron zu Protokoll:

1. Wir führen nicht den Beinamen “fischlicha”, haben dies nie getan und beabsichtigen auch nicht, es zu tun.

2. Auch stehen wir weder in einem Verhältnis, noch sind wir identisch mit dem “Molchmann” oder dem “Fischgrobian”. Letzterem sey aber nicht abgesprochen, einen lustigen Namen zu führen.

3. Wir sind kein Noeck (bzw. Nöck) und auch keine andere Form von Wassermann. Nicht einmal vom Sternzeichen her.

4. Uns ist nicht bewusst, die rosa Elfe sekkiert zu haben. Sollten wir das getan haben, entschuldigen wir uns hiermit bestimmt nicht. Sekkieren (bzw. die Sekkage) ist immanent als eklig zu begreifen und somit Teil unserer gottgegebenen Funktion als Ekelbaron.  Die rosa Elfe hätte sich wohl auch züchtiger gekleidet gehabt, wenn sie eine Sekkage zu vermeiden beabsichtigt hätte.

Wer kommod in der Sonne herumkugelt und winkt, braucht sich über Sekkagen nicht beklagen!!!

5. Der Ekelbaron lässt sich gewiss nicht von einem Schwan vertreiben.


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